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Die Legende
Freie Republik SchwarzenbergRepublik Schwarzenberg ?
Auf der Suche zwischen Tatsachen und Legenden

Natürlich hat es die Republik Schwarzenberg niemals gegeben, sie ist eine brillante Erfindung von Stefan Heym, die er 1984 in seinem Roman „Schwarzenberg“ literarisch gestaltet. Er stützte sich dabei auf Ereignisse in der Amtshauptmannschaft Schwarzenberg, die nach Ende des 2. Weltkrieges von den Siegern nicht besetzt wurde und 42 Tage sich selbst überlassen blieb.

In Ermangelung der Besatzer nahmen beherzte Frauen und Männer in 21 Städten und Dörfern ihr Schicksal in die Hand.


Während dieser sechs Wochen im Frühling 1945 geschahen überaus interessante Denkwürdigkeiten; denn der Krieg war zwar offiziell beendet, wurde aber mit neuen Mitteln fortgesetzt und die handelnden Personen wußten größtenteils kaum, wessen „höheren Interessen“ sie ihren Spielraum verdanken. Auch in der Amtshauptmannschaft Schwarzenberg - vielleicht besonders dort !



Warum kamen die Besatzer nicht ?
In Harenbergs Chronik-Bibliothek des 20. Jahrhunderts wird mitgeteilt: „Nach Inkrafttreten der bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945 wurde das gesamte Gebiet des Deutschen Reiches von alliierten Truppen besetzt, mit wenigen Ausnahmen: Im westlichen Erzgebirge blieben die Landkreise Schwarzenberg und Stollberg sowie der Stadtkreis Aue besatzungsfreies Gebiet. Zwar waren US-amerikanische Vorausabteilungen in diese Region vorgestoßen, hatten sich jedoch aus ungeklärten Gründen nach wenigen Tagen wieder zurückgezogen.“

Die Alliierten hatten sich darauf geeinigt, daß die Russen und die Amerikaner bis zum 13. Längengrad vorrücken - die Russen hielten sich daran und besetzten Annaberg, die Amerikaner blieben in Zwickau und holten sogar ihre Vorausabteilungen zurück.

Warum besetzt die US-Army das ihnen zustehende Gebiet eigentlich nicht ?
Stefan Heym hat es leicht, er gibt Lieutenant Lambert und Sergeant Whistler eine 25-Cent-Münze, die über die Amtshauptmannschaft Schwarzenberg entscheidet - literarisch, versteht sich. Die politische Entscheidung allerdings ist bereits am 15. April bei einer Geheimkonferenz im State Departement gefallen...

Seit Anfang März verhandelte das OSS - Office of Strategic Services - mit dem Himmler-Beauftragten Karl Wolf über ein Bündnis für den Kalten Krieg, der die Welt mit „einem Eisernen Vorhang teilt“ (Goebbels). Und am 12. April, dem Todestag von US-Präsident Roosevelt, trifft sich Großadmiral Dönitz in Bern mit Allan Dulles. In einem Bericht an das Pentagon über die Berner Verhandlungen steht : „Admiral Doenitz was here for two hours.“ Während dieser zwei Stunden wurde ein amerikanisch-deutsches Militärbündnis geschlossen, in dessen erster Etappe dem Westerzgebirge eine besondere Aufgabe zugefallen ist. Dönitz wollte von den Amerikanern sichergestellt wissen, daß 1,3 Millionen Soldaten der Heeresgruppe Mitte - der sogenannten Schörner-Armee - ungehindert in amerikanische Gefangenschaft gelangen können. Dönitz und Dulles waren sich offenbar schnell einig, daß dieses mit Hilfe einer besatzungsfreien Zone im Westerzgebirge geschehen könnte. Denn die in Böhmen befindlichen deutschen Truppen mußten aus dem amerikanisch-sowjetischen Keil, der sich auf Prag konzentrierte, möglichst ohne Kampfhandlungen abgezogen werden können - also über den Erzgebirgskamm !



Am 13. April erhält die 3. US-Army an der Zwickauer Mulde den Befehl: „Alle Einheiten haben die gegenwärtig erreichten Linien nicht zu verlassen und sich mit der Aufklärung des vor ihnen liegenden feindlichen Gebietes zu befassen.“ Bei Zwickau wird der Vormarsch in Richtung Annaberg gestoppt !

Am 15. April findet im State Departement eine Geheimkonferenz statt, über die am nächsten Tage in der Washington Post zu lesen ist: „Es wurde beschlossen, Deutschland nach dem Kriege zu remilitarisieren und zu einem Bollwerk gegen die Sowjetunion zu machen !“ Nur wenige Stunden nach der Washingtoner Konferenz wird im Schwarzenberger Hotel Ratskeller eine Wehrmachtskampf-Kommandantur der Heeresgruppe Mitte - Schörner-Armee - eingerichtet.

Am 19. April verlegt die 7. Armee ihren Hauptgefechtsstand ins Erzgebirge und Generalfeldmarschall Schörner schreibt in einem Befehl an seine Soldaten und die Einwohner des Erzgebirges:
„Die augenblickliche militärische Lage hat eine Scheidung der Geister gebracht. Charakterschwächlinge und Pessimisten sind ähnlich wie 1918 an die Oberfläche gespült worden. Diese „im Wandel der Ereignisse schwankenden Zeitgenossen“ glauben nunmehr den Dreh gefunden zu haben: Sie sehen die alleinige Rettung in der politischen Lösung. Sie glauben, durch diplomatische Verhandlungen ließe sich auf irgendeine billige Art in diesem Augenblick eine Wende herbeiführen....
Es steht außer Zweifel, daß gerade in diesem Augenblick ein dramatischer Wettlauf zwischen den Westmächten und der Sowjetunion eingesetzt hat. Bleiben wir hart und schlagen uns bis zur letzten Patrone, dann haben wir berechtigte Aussicht, bei diesem Wettlauf der beiderseitigen Interessen zu gewinnen....
Aktivisten, schließt euch noch enger zusammen ! Greift an aus jeder Lage ! Seid vor allem aber rücksichtslos gegen die eigene Schwäche, gegen Müdgewordene und Laurige: packt sie an wie jeden anderen Feind; denn diese Schwachen sind heute unser Feind Nr. 1.“

Und am 1. Mai
erklärt Hitlernachfolger Dönitz in einer Rundfunkansprache, er halte es für seine erste Aufgabe, "deutsche Menschen vor der Vernichtung durch den vordringenden bolschewistischen Feind zu retten. Nur noch für dieses Ziel geht der militärische Kampf weiter."

Ganz in diesem Geiste erklärt der Stadtrat von Aue am 7. Mai:

Auf Befehl des Großadmirals Dönitz ist auch in unserem Abschnitt der Kampf gegen die Westmächte eingestellt.
Der Kampf gegen den Bolschewismus geht weiter.

Im Mai und Juni 1945 marschieren durch das Westerzgebirge pausenlos bewaffnete deutsche Soldaten, sie werden bei Eibenstock mit Parademarsch und Militärmusik in amerikanische Gefangenschaft genommen.

Waffenträger in vieler Herren Uniform treiben sich nach Kriegsende in der Amtshauptmannschaff herum. Wenn die bewaffneten Hilfspolizisten mit den weißen Armbinden politische Würdenträger in den Schwarzenberger Schlossturm sperren, mischen die Besatzer auch hier täglich mit - sie nehmen sie in eigene Obhut.

Eine andere Gruppe fährt mit Jeeps und Lastkraftwagen, trägt SS-Uniformen und Maschinenpistolen - gelegentlich tritt sie in Begleitung von Amerikanern auf - aber es kann auch sein, daß die SS-Männer im Bedarfsfalle Sieger-Uniformen überstrei-ften. Angeführt wird die Einheit von einem „Leutnant“ Herfurth, der bei den "Kampfeinsätzen" seinen Männern vorangeht. Mehrfach dringen sie in Rathäuser ein und entmachten die Aktionsausschüsse. Heute nur noch Gerüchte: Waren sie vielleicht mit dem Abtransport der durch Gaukulturwart Krauß versteckten Kunstschätze befaßt ? Und neuerdings wird gar gefragt: Haben sie das Bernsteinzimmer zu den Amerikanern gebracht ?


11. Mai 1945. Die Amerikaner ziehen sich aus Aue und Umgebung zurück, die Amtshauptmannschaft Schwarzenberg ist wieder offiziell besatzungsfrei, nationalsozialistische Dienststellen sind arbeiten weiter und in Schwarzenberg beschließen zur Kaffeezeit fünf Männer und eine Frau in Ermangelung der Sieger den Sturz der letzten nationalsozialistischen Machtbastion. Auf gute deutsche Beamtenart bestätigt der parteilose Landrat Hähnichen, der vorsorglich Notgeld hat drucken lassen, mit neutralem Amtshauptmannschafts-Stempel und seiner Unterschrift die in den späten Abendstunden stattgefundene Revolution. Die Staatsgewalt geht nun vom antifaschistischen Aktionsausschuß aus, dessen Mitglieder sich sofort an die Arbeit machen.

In 21 Dörfern und Städten des Westerzgebirges nehmen Antifaschistische Aktionsausschüsse die Macht in ihre Hand. Niemand hat den Frauen und Männern den Auftrag dazu erteilt. Es gibt in der Amtshauptmannschaft Schwarzenberg im Frühjahr 1945 keine Zentralgewalt mehr, statt dessen existieren 21 "unabhängige Republiken". Jede erscheint mit einer eigenen Proklamation, zuerst wird die der alten Silberbergbaugemeinde Raschau veröffentlicht.


Das täglich Brot für eine halbe Million Menschen hatten die selbst ernannten Machthaber zu garantieren. Sie verhandelten mit den Russen in Annaberg und den Amerikanern in Zwickau, sie bekamen Passierscheine und Fahrgenehmigungen für Eisenbahn und Lastkraftwagen. Sie besorgten Getreide, Teigwaren, Fleisch und Kartoffeln. Sie schafften Arzneimittel heran. Und sie verfolgten Nazis, darunter den Gauleiter von Sachsen, der sich am Kriegsende bei seinem Freund Krauß in Schwarzenberg versteckt hielt, während die von ihm geleitete sächsische Staatskanzlei in Oberwiesenthal saß. Von Oberwiesenthaler Antifaschisten wird er gefangengesetzt. Rotarmisten sind sofort zur Stelle und bringen Hitlers sächsischen Statthalter in ihre Gewalt. Bevor er in Sibirien verschwand, wurde Martin Mutschmann barfuß öffentlich an den Pranger gestellt.

Keine eigene Republik, aber eigene Postmarken. Oberpostinspektor a. D. Hugo Böttger hat 1945 Schwarzenberger Briefmarken entworfen, die in zwei verschiedenen Arten verwendet wurden. Und eigenes Geld hat es in Schwarzenberg gegeben, vier verschiedene Banknoten kamen am 18. Mai in Umlauf und wurden sowohl in der sowjetischen als auch in der amerikanischen Besatzungszone als Zahlungsmittel akzeptiert. Erstaunlich, daß die Geldnoten im Wert von fünf, zehn, zwanzig und fünfzig Reichsmark bereits drei Wochen vor Kriegsende hergestellt wurden. Erstaunlich auch, dass Landrat Hähnichen - ein korrekter Beamter -, der noch am 8. Mai 1945 in der sächsischen Staatskanzlei um Anweisungen für die Zeit nach der Kapitulation bittet, dass gerade dieser Mann aus eigenem Antrieb Geld drucken ließ.

Viele Autoren haben seither versucht, Licht ins Dunkel der westerzgebirgischen Nachkriegszeit zu bringen. Stefan Heyms Roman „Schwarzenberg“ bündelt die utopischen Hoffnungen und liefert zugleich den Nachweis, warum der Traum von einer „Freien Republik“ niemals hat stattfinden können. Dennoch geht von diesem Mythos eine immer größer werdende Faszination aus, die uns auf die Suche nach Wahrheiten treibt.
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Foto-Bildband der Schwarzenberger Fotografin (BBK) Lydia Schönberg




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